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Auch das ist Marokko: Trauer in der Dades-Schlucht - Selbst die Berge "tragen weiß"

Als wir gestern wie gewohnt auf unserern einmalig gelegenen Campingplatz in der Dades-Schlucht rollten, freuten wir uns schon die ehemalige Nomaden-Familie um Campingplatz-Chef Said wieder zu sehen. Doch direkt nach der Begrüßung, die ungewöhnlich verhalten ausfiel, erzähle uns der Sohn Saids, dass sein Vater vor drei Tagen gestorben sei. Ich konnte es nicht fassen und brach in Tränen aus. Der Mann war um die 50 Jahre alt, sehr gebildet und offen. Immer freundlich lud er jeden Besucher zunächst zu einem Tee und einem Schwätzchen ein, ich hatte natürlich erwartet, ihn wie immer lässig auf den Sitzkissen gelehnt vorzufinden. Der Sohn nahm mich tröstend in die Arme (!!!), die ganze Familie sei da und die Beerdigungszeremonien seien am Vortag abgeschlossen worden. Fassungslos fragte ich, warum sie uns nicht einfach abgewiesen hätten und dass sie auf keinen Fall das geplante Couscous für den Abend zubereiten sollten. Doch die Tradition, Gäste zu empfangen ist sehr stark und drei Tage nach dem Tod sei dies auch wieder "erlaubt". Außerdem werde die Nachbarsfrau dieses Mal kochen. Hadija, Saids Frau, war ganz in weiß gekleidet (das Zeichen der Trauer), ging aber ihrer Arbeit nach wie immer. Freilich war ihr die Trauer ins Gesicht geschrieben. Als mir die Tränen gekommen waren, weinte die ganze anwesende Familie mit, ich muss nicht betonen, dass das alles sehr bewegend war. Am Abend wurden wir bestens bewirtet, mit noch mehr Aufwand und Sorgsamkeit denn je - das neue Familien- und Campingplatzoberhaupt, der 17jährige Sohn, wollte uns sicher beweisen, dass auch bei ihm kein Grund zum Anstand bestehen wird. Das wäre nicht nötig gewesen, da ich die ganze Familie als herzlich, vertrauenswürdig und sehr gastfreundlich kennen gelernt habe.

C'est la vie hieß es und Said sei jetzt in die andere Welt gegangen. Nunja, der Tod gehört hier einfach viel mehr zum Leben dazu als in unserer Gesellschaft. Er ist näher, öfter, früher. Wieder ein Erlebnis, dass uns nachdenklich macht. 

Übrigens trugen auch die Berge "weiß", Schnee auf dieser Höhe hatten wir noch nie erlebt und es sah toll aus.

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Unsere Mitfahrer sagen:

"Euer Konzept 'So viel Leitung wie nötig und so viel Freiheit wie möglich' entsprach voll unserem Anspruch." 

Nicole & Achim aus München

 

"Wir sehen die Menschen in Marokko jetzt mit anderen Augen... es ist ein sehr freundliches und kontaktfreudiges Volk!"

Suzanne & Giancarlo aus der Schweiz

 

"Die Tour war super. Der Wechsel von Aktion und Ruhe, Städtetrubel und Abgeschiedenheit in der Natur, das Zusammentreffen mit Einheimischen, die kulinarischen Höhepunkte - alles war gut ausgewählt und wohl organisiert. Wir hätten viel versäumt ohne Euch!"

Jule und Hans